Wolfgang Graczol Intendant

Liebe Freunde des Taeter-Theaters,

Auch in diesem Jahr bietet das Heidelberger Taeter-Theater in der Zeit vom 18. August bis zum 10. September Sommertheater. Heidelbergtouristen sollten sich den Besuch dieser kleinen Bühne nicht entgehen lassen. Sie befindet sich in einem ehemaligen Industrieraum auf dem Areal der Tabakfabrik Landfried und ist in den 30 Jahren ihres Bestehens zu einem beliebten Aufführungsort geworden, nicht nur wegen hervorragender künstlerischer Leistungen, sondern auch wegen der liebenswert familiären Atmosphäre, die nach den Vorstellungen zum Verweilen bei einem Glas Wein einlädt. Auf dem Programm stehen dieses Jahr fünf Eigenproduktionen.

Den Beginn machen wir mit Kafka. Elf Söhne. Ein Landarzt sind zwei Erzählungen von Franz Kafka, die Wolfgang Graczol für die Bühne eingerichtet hat. Im ersten Stück schildert ein Vater Erscheinungsbild und Wesen seiner elf Söhne. Im zweiten begegnet ein Landarzt auf einer nächtlichen Reise zu einem Schwerkranken den verdrängten Abgründen seiner Existenz. Daraus wird in Graczols Bühnenadaption bildhaftes Traumtheater von höchster Delikatesse.

In den Valentiniaden wandeln Anne Steiner- Graczol und Wolfgang Graczol auf den Spuren von Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Schneller als jede Drehbühne dreht sich hier alles um das Wechselspiel von Sinn und Unsinn im Alltäglichen und um die Mücken, die sich in absurden Streitereien zu Riesenelefanten auswachsen. – Ein Komödienabend für die ganze Familie.

Der Herr Karl glaubt immer „mit Herz“ gehandelt zu haben. Mit seiner charme -und schmähverbrämten Überredungskunst redet er über seine Gefühlsdefizite hinweg und enthüllt uns dabei ungewollt seine innere Leere und seinen manifesten Egoismus. Merz/ Qualtingers Realsatire zeigt uns den kleinen Wiener in „großer Zeit“ und danach…
Es spielt: Wolfgang Graczol.

Es folgt Patrick Süskinds Der Kontrabaß. Ein in Hassliebe zu seinem Instrument entbrannter und in unerfüllter Liebe zu einer jungen Sopranistin entflammter Orchestermusiker braucht viel Löschwasser, um seine Leidenschaften ein- zudämmen. Da es sich dabei aber um Bier handelt, tritt der eher gegenteilige Effekt ein. Wir erleben einen Zerrissenen, dem Benjamin Hille in seinem furiosen Spiel Witz, Temperament, Verzweiflung, aber auch zarte Hoffnung gibt. Ein Ereignis!

Die Erzählung Das Urteil von Franz Kafka über- springt logische Denkmuster und bezieht ihre Kraft aus der Faktizität und Brutalität ihrer jähen Umschwünge. – Wolfgang Graczol schuf für Kafkas Text einen unheimlichen Assoziationsraum, in dem er in seiner subjektiven Interpretation die verborgenen Motive und alptraumartigen Emotionen der Figuren auslebt.

„Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen“, sagt Nathan der Weise im gleichnamigen Stück – „Doch selten etwas bessers“, deckelt der Tempelherr diesen Satz. Machen Sie sich ein Bild davon, wie es um die Menschen in unseren Stücken steht.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen

Ihr

wolfganggraczol

Wolfgang Graczol